Title: Von der Kritik des statischen Objekts zur Erkundung des bewegenden Projekts : Architekturkritik als Praxis
Authors : Wilhelm, Elena
Published in : Gebäude als System
Pages : 302
Pages to: 311
Editors of the parent work: Wilhelm, Elena
Sturm, Ulrike
Publisher / Ed. Institution : Interact-Verlag
Publisher / Ed. Institution: Zürich
Issue Date: 2012
License (according to publishing contract) : Licence according to publishing contract
Type of review: Not specified
Language : German
Subject (DDC) : 720: Architecture
Abstract: In der bisherigen architekturkritischen Betrachtung steht das statische, fertige Einzelgebäude als Objekt im Mittelpunkt. Die ästhetische Dimension dominiert. Architekturkritik setzt meistens ex-post an und beurteilt das fertige Bauwerk oder Planungsergebnis. Architekturkritik stellt ihre Argumentation nur selten in gelebten Debatten über die räumliche und belebte Umwelt zur Diskussion. Der Adressatenkreis der Kritik ist allzu stark auf die Fachwelt und auf die schriftliche Vermittlung fokussiert. Kriterien der Nutzbarkeit, der städtebaulichen Einbindung und urbanen Programmatik, der ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Verträglichkeit werden zu wenig berücksichtigt. Entstehungskontexte, der Bezug zur lokalen Politik und Kultur sind meistens unterbelichtet. Kaum wird danach gefragt, wie die Nutzenden nach der Fertigstellung auf das Gebäude reagieren, wie es genutzt und umgenutzt wird. Es gibt einen breiten und sehr interessanten Diskurs über Architekturkritik, in dem diese und weitere Aspekte in unterschiedlicher Ausprägung moniert werden (vgl. zusammenfassend Becker 2003). Ohne jeden Zweifel ist eine fachimmanente, sich an ein Fachpublikum richtende Entwurfs-, Bau- und Architekturkritik notwendig und unabdingbar. Sie ist ein Indiz ihrer Professionalisierung. Jede Profession hat ihre diskursiven Orte und ihre Fachsprache, die der gegenseitigen Verständigung, Kontrolle und Aufklärung dient. Gleichzeitig ist es unabdingbar und wünschenswert, dass der Diskurs über Architektur und über das Bauen viel stärkeren Eingang in den lokal-, regional- und gesellschaftspolitischen und -kulturellen Diskurs findet. Dass er also nicht nur in den Feuilletons der Tages- und Wochenzeitungen stattfindet, sondern die lokale Praxis mitzuprägen vermag. Es stellt sich die Frage, wie denn eine Architekturkritik auszusehen hätte (die dann wohl nicht mehr unter diesem Begriff firmieren würde), in welcher ein Gebäude nicht als statisches Objekt, sondern als ein dynamisches Projekt verstanden wird – ganz im Sinne von Bruno Latour und Albena Yaneva oder im Sinne der Programmatik «Gebäude als System». Eine Kritik wäre in diesem Verständnis eine lebendige Beschreibungen von Gebäuden und Entwurfsprozessen, das Aufspüren, die Beschreibung und Kommentierung der Verbindungen zwischen den Dingen in den jeweiligen Räumen und Zeiten ihrer Koexistenz, das Erkunden des dinglichen Wesen von Gebäuden und nicht nur ihres «müden, alten objektiven» Wesens (vgl. Latour/ Yavena 2008, S. 10). Dadurch würde Architekturkritik für Architektinnen und Nutzer, für Bau- und Projektleiterinnen, für Investoren und Bauunternehmer sowie für Bauherren bedeutsam. Die historischen und aktuellen Abhandlungen über Architekturkritik überschreiten den Horizont klassischer Architekturbetrachtung und lassen – rein theoretisch – die aufregenden Möglichkeiten einer am dinglichen und nicht am objektiven Wesen orientierten Kritik am «Gebäude als System» aufscheinen. Aus diesem Grund lohnt sich eine Tour d’Horizon durch die geäusserte Kritik an der Kritik. Nachfolgend wird dieser Diskurs gesichtet und es werden die alternativen Figuren und Topoi herausgearbeitet. Anhand eines Beispiels, des Neuen Museums Berlin, werden anschliessend konkrete Architekturkritiken einer selbstvergewissernden Betrachtung unterzogen und damit die Topoi «empirisch überprüft» und reflektiert.
Departement: Rektorat und Ressorts
Publication type: Book Part
ISBN: 978-3-7281-3519-3
URI: https://digitalcollection.zhaw.ch/handle/11475/2547
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