Title: Handygebrauch von Schweizer Jugendlichen : Grenzen zwischen engagierter Nutzung und Verhaltenssucht
Authors : Waller, Gregor
Süss, Daniel
Volume(Issue) : 14
Conference details: Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaft SGKM, Neuchâtel, 20.-21. April 2012
Publisher / Ed. Institution : Georg Thieme
Issue Date: 2013
License (according to publishing contract) : Licence according to publishing contract
Type of review: Not specified
Language : German
Subjects : Medienwirkung; Handynutzung; Jugendliche; Verhaltenssucht
Subject (DDC) : 158: Applied psychology
302: Social interaction
Abstract: Einleitung: 98% der Schweizer Jugendlichen besitzen ein Handy. Einige nutzen das Handy mit einer Intensität, dass sie die Grenzen zur Verhaltenssucht überschreiten. In der vorliegenden Studie wurde Handy-Verhaltenssucht nach dem Modell von Brown operationalisiert. Er postuliert sechs Aspekte der Verhaltenssucht: Salienz, Konflikte mit anderen Aktivitäten, Euphorie/Erleichterung, Toleranzaufbau, Entzugserscheinungen und Rückfallerscheinungen. Die aufgeführten Suchtmerkmale können in zwei Faktoren aufgeteilt werden (Charlton, 2002). Auf der einen Seite handelt es sich dabei um Verhaltenssucht („core criteria“), auf der anderen Seite um die engagierte Nutzung („peripheral criteria“). Verhaltenssüchtige Probanden weisen hohe Werte auf beiden Faktoren auf. Demgegenüber haben engagierte Nutzer nur auf Faktor "peripheral criteria" hohe Werte, nicht aber auf Faktor "core criteria“. Zurückhaltende Nutzer weisen auf beiden Dimensionen unterdurchschnittliche Werte aus. Fragestellungen: Kann das zweifaktorielle Modell der Verhaltenssucht auf die Handynutzung übertragen werden? Welche psychosozialen Konzepte und demografischen Variablen lassen sich mit der zurückhaltenden Nutzung, der engagierten Nutzung und der Handy-Verhaltenssucht in Verbindung bringen? Methode: Die Daten wurden mittels eines quantitativen Fragebogens erhoben (N = 1223, 12 – 19-Jährig). Analyseverfahren: konfirmatorische Faktorenanalyse und logistische Regressionen. Diskussion/Ergebnisse: Die zweidimensionale Faktorenstruktur konnte repliziert werde. Die daraus abgeleiteten Nutzertypen werden wie folgt quantifiziert: Nicht-Nutzer (2,2%), zurückhaltende Nutzer (52,3%), engagierte Nutzer (40,2%) und Handy-Verhaltenssüchtige (5,3%). Indikatoren für Handy-Verhaltenssucht sind: eine schwierige Beziehung zu den Eltern, Impulsivität und extravertiert-aktives Verhalten. Die engagierte Handynutzung lässt sich über Neurotizismus, extravertiert-geselliges Verhalten, Gruppendruck und weibliches Geschlecht erklären. Die Gruppe der zurückhaltenden Nutzer kann mittels einer positiven Beziehung zu den Eltern, Introversion, wenig Gruppendruck und männlichem Geschlecht beschrieben werden. Schlussfolgerung: Die Studienbefunde deuten darauf hin, dass Verhaltenssucht im Handykontext eine eigene Charakteristik aufweist, die sich beispielsweise von Internetsucht unterscheidet. Es ist ratsam, die in der Praxis vorhandenen Therapiekonzepte auf die Eigenheiten der Handysucht anzupassen. Wichtig für die Praxisarbeit erscheint den Autoren dabei die Verknüpfung von Handysucht mit spezifischen Persönlichkeits-Merkmalen wie Impulsivität und Aktivität sowie familiären Beziehungsaspekten (problematische Kind-Eltern-Beziehung). Diese Erkenntnisse weisen auf systemische Wechselwirkungen hin, die bei einem Behandlungskonzept mitberücksichtigt werden müssen. Neben diesen Risikofaktoren der Handysucht zeigt die Studie auch Aspekte auf, die als Schutzfaktoren betrachtet werden können. So scheint eine positiv-stabile Beziehung zu den Eltern präventive Wirkung zu entfalten.
Departement: Angewandte Psychologie
Organisational Unit: Psychological Institute (PI)
Publication type: Conference Paper
DOI : 10.1055/s-0033-1351519
ISSN: 1439-9903
URI: https://digitalcollection.zhaw.ch/handle/11475/4280
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