Please use this identifier to cite or link to this item: https://doi.org/10.21256/zhaw-4334
Title: Wo junge Erwachsene und Jugendliche rassistische Deutungs- und Handlungsmuster lernen : Familienerziehung und Rechtsextremismus
Authors : Gabriel, Thomas
Published in : Jugendliche und Rechtsextremismus : Opfer, Täter, Aussteiger - Wie erfahren Jugendliche rechtsextreme Gewalt, welche biografischen Faktoren beeinflussen den Einstieg, was motiviert zum Ausstieg?
Pages : 5
Pages to: 26
Publisher / Ed. Institution : Fachstelle für Rassismusbekämpfung FRB (Eidgenössisches Departement des Innern, Generalsekretariat)
Publisher / Ed. Institution: Bern
Issue Date: Dec-2007
License (according to publishing contract) : Licence according to publishing contract
Type of review: Not specified
Language : German
Subjects : Jugendforschung; Sozialisationsforschung; Extremismusforschung; Schweiz; Forschung; Evaluation
Subject (DDC) : 303: Social processes
305: Social groups
Abstract: Warum sind einige junge Menschen anfälliger für rechtsextreme Ideologien, während andere, die unter ähnlichen Bedingungen aufwachsen, dies nicht sind? Warum beteiligen sich einige Jugendliche an gewalttätigen Angriffen, andere aber wiederum nicht? Diese Fragen standen im Zentrum des wissenschaftlichen Projektes von Thomas Gabriel, das er im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms NFP 40plus «Rechtsextremismus – Ursachen und Gegenmassnahmen» leitete. Seit Frühling 2007 ist es abgeschlossen, Ergebnisse liegen vor. Untersucht wurden der Einfluss von Familie (Eltern und Grosseltern) und wichtigen erwachsenen Personen des sozialen Umfelds auf die Entwicklung rassistischer und rechtsextremer Einstellungen und Handlungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Von besonderem Interesse für die Forscher war die Aufdeckung von «Entwicklungspfaden» in den Biografien dieser Jugendlichen. Ebenso interessierten die Mechanismen, wie rechtsextreme und rassistische Einstellungen von einer Generation zur anderen weitergegeben werden. Insgesamt 26 Jugendliche (6 junge Frauen, 20 junge Männer, der Altersdurchschnitt lag bei 19 Jahren), die eine politisch rechtsextreme Einstellung besitzen und zu gewalttätigen Handlungen neigen, wurden von den Forschenden zum emotionalaffektiven Klima innerhalb der Familie, zum Umgang mit Konflikten, Erziehungsstil und der Qualität der innerfamiliären Beziehungen befragt. Dies ermöglichte dem Forscherteam, biografische Verläufe zu rekonstruieren und nach wichtigen «Knotenpunkten» im Leben des Jugendlichen/des jungen Erwachsenen, die zur Herausbildung von rechtsextremen Einstellungen führen, zu analysieren. Solche «Knotenpunkte» wurden nicht nur von den Forschenden festgemacht, auch die Interviewten selbst deuteten wichtige biografische Ereignisse als solche. Fast die Hälfte der befragten Jugendlichen war Mitglied in einer rechtsextremen Gruppe (PNOS, Schweizer Nationalisten, Helvetische Jugend, Schweizer Demokraten, Blood & Honour, Hammerskins). Rund zwei Drittel gehörten einer Gruppierung wie Hooligans, Skinheads und Skingirls an. Sieben Elternpaare, Grosseltern und weitere erwachsene Bezugspersonen von Jugendlichen wurden ebenfalls befragt und in die Studie mit einbezogen. Kurze Zusammenfassung der Hauptergebnisse Die Jugendlichen und ihre Familien sind keine «Modernisierungsverlierer». Sie sind weder Opfer von ökonomischem noch von gesellschaftlichem Wandel. In den 26 untersuchten Beispielen lässt sich ein grosses Mass an «Normalität» der Lebensentwürfe und -welten nachweisen. Die Jugendlichen und ihre Familien gelten als gut integriert. Hingegen spielten häusliche Gewalt und die Folgen von Elternkonflikten eine wichtige Rolle. Überrascht hat die Forschenden die hohe Anzahl Jugendlicher, die in Jugendhilfemassnahmen leben. Für die Entwicklung von rassistischen Einstellungen und Handlungsanlagen bei Jugendlichen spielen die Familien, das soziale Umfeld sowie ihre Kultur und Geschichte eine entscheidende Rolle. Auch wenn der Kontakt zu rechten Szenen auf Zufälligkeiten und Gelegenheitsstrukturen beruht, ist die für die Jugendlichen damit verbundene Bedeutung keinesfalls zufällig, sondern biografisch bedingt. Die vom Forschungsteam erfassten biografischen Verläufe geben Auskunft darüber, warum einige Jugendliche anfälliger für rechtsextreme Ideologien sind oder sich an gewalttätigen Angriffen beteiligen, während andere, die unter vergleichbaren gesellschaftlichen Bedingungen leben, dies nicht tun. Aus dem umfangreichen Datenmaterial haben die Forschenden drei unterschiedliche familiäre Muster und biografische Verlaufsformen fest gemacht, die rechtsextreme Einstellungen und Gewalttaten begünstigen: - Abgrenzung durch Überanpassung - Radikalisierung der Werte und Normen des Herkunftsmilieus - Gewalt, Missachtung und Suche nach Anerkennung - Nicht-Wahrnehmung und Suche nach Erfahrung, Sicherheit und Differenz.
Departement: Soziale Arbeit
Organisational Unit: Institute of Childhood, Youth and Family (IKJF)
Publication type: Book Part
DOI : 10.21256/zhaw-4334
URI: https://www.edi.admin.ch/edi/de/home/fachstellen/frb/bestellungen-und-publikationen/jugendliche-rechtsextremismus.html
https://digitalcollection.zhaw.ch/handle/11475/8419
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