Please use this identifier to cite or link to this item: https://doi.org/10.21256/zhaw-4332
Title: Säuglinge und Kleinstkinder in Kindertagesstätten in der Stadt Zürich
Authors : Widmer, Franziska
Gabriel, Thomas
Grubenmann, Bettina
Extent : 68
Publisher / Ed. Institution : Sozialdepartement der Stadt Zürich
Publisher / Ed. Institution: Zürich
Issue Date: 2009
License (according to publishing contract) : Licence according to publishing contract
Series : Edition Sozialpraxis
Series volume: 4
Language : German
Subjects : Ethnographische Forschung; Säuglingsforschung; Institutionsanalyse; Kinderbetreuung; Familienexterne Kinderbetreuung; Kinderkrippe; Kinderhort; Kindertagesstätte; Säugling; Kleinkind; Qualität; Evaluation
Subject (DDC) : 302: Social interaction
305: Social groups
370: Education
Abstract: Auf die hohe Nachfrage nach Säuglingsplätzen in Kitas wurde in der Stadt Zürich durch die Förderung von zwei neuen Betreuungsmodellen reagiert, in denen eine Gruppe von ganz Kleinen in regelmässigem Kontakt zu einer Gruppe mit etwas älteren Kindern steht. Diese Modelle wurden im Rahmen einer Kooperation des Pädagogischen Instituts der Universität Zürich und des Sozialdepartements der Stadt Zürich zwischen März 2007 und März 2008 begleitend untersucht. Die qualitative Begleitforschung vollzog sich in einem Wechsel von Beobachtungen und Interviews, Auswertung und erneuter Beobachtung zur Überprüfung und Vertiefung. Die übergeordneten Fragen nach der Eignung verschiedener Betreuungsmodelle und den Voraussetzungen für professionelle, qualitativ hochstehende Säuglings- und Kleinstkinderbetreuung in Kitas wurden beantwortet, indem die Auswirkungen der Umstellung auf Trägerschaft und Betrieb analysiert wurden. Es wurden konkrete Handlungsmuster erforscht und untersucht, an welchen impliziten und expliziten pädagogischen Konzepten sich die Erzieherinnen im Alltag orientieren. Insgesamt wurden zwölf Kitas – wovon acht mit altersreduzierten Gruppen arbeiten, vier mit altersgemischten – einbezogen. Die wichtigsten Ergebnisse – Den Ausschlag für eine vermehrte Säuglingsbetreuung gab in den meisten untersuchten Kitas die hohe Nachfrage der Eltern; als Argumente dagegen wurden die Interessen und Bedürfnisse der Erzieherinnen und strukturelle Bedingungen angeführt. – Die Erzieherinnen in altersreduzierten Gruppen zeigten sich sehr zufrieden, wobei ihre Zufriedenheit von der Strukturqualität und vom Vorhandensein handlungspraktischer pädagogischer Konzepte abhing. – Bei fehlenden oder handlungsfernen pädagogischen Konzepten griffen die Erzieherinnen tendenziell auf Vorstellungen von Familienerziehung zurück. – Hohe Struktur- ergibt noch keine hohe Prozessqualität: In Kitas mit vergleichbaren Ressourcen war die Qualität in der Arbeit mit Kleinstkindern unterschiedlich. Schlussfolgerungen Aus den Beobachtungsdaten wurden Handlungsmuster der Erzieherinnen, Lehrfrauen und Praktikantinnen systematisiert und daraus wiederum drei «Codes of Practice» herausgearbeitet, in denen sich professionelles Wissen, Alltagswissen, Handlungswissen und Einstellungen verklammern. Ihre Eignung ist unterschiedlich: – Die Mitarbeiterinnen im Code «Engagierter Aktionismus» können die erforderliche hohe Aktivität nicht durchgängig leisten, deshalb schwankt die Qualität, zum Nachteil aller Beteiligten. Dieser Code benötigt viel Betreuungspersonal. – Die Mitarbeiterinnen im Code «Reaktive Präsenz» wollen den Kleinstkindern neben der Erfüllung von Bedürfnissen eigenständige Explorationsmöglichkeiten zur Verfügung stellen. Dieser Code bewährt sich für die Säuglingsbetreuung am besten. – Die Mitarbeiterinnen im Code «Strukturorientierte Präsenz» orientieren sich an Gruppenabläufen und für alle verbindlichen Regeln. Das ist mit den Bedürfnissen der Kleinsten nur bedingt vereinbar und bringt Erzieherinnen in widersprüchliche Handlungsanforderungen. Für die Kleinstkinder bewähren sich altersreduzierte Kleinstkindgruppen: Die Erzieherinnen reagierten rasch und empathisch auf ihre Bedürfnisse, trugen den unterschiedlichen Rhythmen von Müdigkeit und Hunger Rechnung, boten ihnen Schonraum, aber auch Raum für eigenständige Exploration und dadurch, in Kombination mit Interaktionen mit Gleichaltrigen und Älteren, ideale Lernbedingungen. In altersgemischten Gruppen fehlte teilweise die Sensibilität für das Rückzugsbedürfnis, und die Säuglinge und Kleinstkinder waren im Kontakt mit älteren Kindern manchmal ungenügend geschützt. Diese Nachteile lassen sich jedoch durch kompetente ErzieherInnen durchaus ausgleichen. Sehr vitale Kinder können in einer altersgemischten Gruppe von vielfältigen Anregungen profitieren; sensible, ruhebedürftige Kinder sind in altersreduzierten Gruppen besser aufgehoben. ErzieherInnen stellt die Arbeit in einer altersgemischten Gruppe vor hohe Ansprüche, namentlich unsichere oder unausgebildete Erzieherinnen können in Überforderungssituationen geraten. ErzieherInnen in Kleinstkindergruppen bewältigen den Alltag mit Hilfe hoher Professionalität. Zusätzliches Fachwissen und – im Vergleich zu altersgemischten Gruppen – verbesserte Elternkontakte ermöglichen ihnen befriedigende Arbeit. Der Code «Reaktive Präsenz» bewährt sich besser als der Code «Engagierter Aktionismus»; letzterer bewährt sich bei einem sehr guten Betreuungsverhältnis. Die Institutionen brauchen Ressourcen für die Auseinandersetzung mit konzeptuellen Fragen und müssen den Erzieherinnen Weiterbildungen ermöglichen. Auch im Umgang mit Fragen des Kindesschutzes zeigte sich Informations- und Weiterbildungsbedarf.
Departement: Soziale Arbeit
Organisational Unit: Institute of Childhood, Youth and Family (IKJF)
Publication type: Working Paper – Expertise – Study
DOI : 10.21256/zhaw-4332
ISBN: 978-3-9523348-1-2
URI: https://digitalcollection.zhaw.ch/handle/11475/8285
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