Publication type: Book part
Type of review: Editorial review
Title: Partizipation als Teil von Schutzkonzepten in der Heimerziehung : die Sichtweisen der jungen Menschen
Authors: Eberitzsch, Stefan
Keller, Samuel
Rohrbach, Julia
et. al: No
Published in: ISA-Jahrbuch zur Sozialen Arbeit 2020
Pages: 142
Pages to: 158
Issue Date: Dec-2020
Publisher / Ed. Institution: Waxman
Publisher / Ed. Institution: Münster
ISBN: 978-3-8309-4309-9
Language: German
Subjects: Heimerziehung; Partizipation; Schutzkonzept; Fremdplatzierung
Subject (DDC): 362.7: Youth services
Abstract: Die Frage danach, wie junge Menschen in stationären Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe angemessen an den sie betreffenden Entscheidungen partizipieren können, ist seit geraumer Zeit Gegenstand von Fachdebatten zur Heimerziehung (vgl. Karolus u.a. 2017; Equit/Witzel 2017). Vor dem Hintergrund der Aufarbeitung der Heimgeschichte in den deutschsprachigen Ländern sowie der öffentlichen Thematisierung von Übergriffen und Misshandlungen in Heimen und Internaten, hat sich diese Debatte noch einmal akzentuiert. So sind in Österreich, der Schweiz und Deutschland (vgl. z.B. Bombach u.a. 2017; Kuhlmann 2014) mittlerweile eine Reihe von Ergebnissen aus Forschungsprojekten, die sich mit der Dokumentation, Analyse und Aufarbeitung von nationaler Fremdplatzierungs- und Heimgeschichte befassen, vorgelegt worden. Die aus diesen Studien und den darauf bezogenen politischen Maßnahmen resultierenden Erkenntnisse haben je national zu einer Sensibilisierung gegenüber institutioneller Gewalt und insbesondere in Deutschland zur Implementierung von Beteiligungs- und Beschwerdeverfahren sowie Schutzkonzepten gegen sexualisierte Gewalt geführt (vgl. Allroggen u.a. 2017; Equit/Witzel 2017; Schloz u.a. 2017). In der Folge dieser Entwicklung wird Partizipation verstärkt als methodischer Baustein benannt, dem eine starke Wirkung zum Schutz vor Übergriffen und Machtmissbrauch in Institutionen zugeschrieben und demnach auch in Schutzkonzepten integriert und eingefordert wird. Jedoch zeigt sich, dass die reelle Umsetzung der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen im Rahmen von Schutzkonzepten eine große Herausforderung bleibt (vgl. Pooch/Tremel 2016). Dieser Beitrag sieht ein zentrales Potential von Partizipation in stationären Einrichtungen darin, Machtasymmetrien, die nachweislich zu Machtmissbrauch in unterschiedlichsten Formen führen können, zu reduzieren (vgl. Equit 2017; Wolf 1999). Folglich wird umfassende Beteiligung verstanden als ein sorgsam gestaltetes Bemächtigungs- und Lernfeld für junge Menschen (vgl. Peters 2019), in dem sie sich äußern, eigene Bedürfnisse und Gefühle erkennen und vermitteln sowie Vertrauen zu ihnen wichtigen Person aufbauen können. Dabei werden sie nicht nur passiv beschützt, sondern Schutz entsteht in der priorisierten Ermöglichung Ängste, Wünsche und Rechte erkennen, benennen und einfordern zu können (vgl. Schröer 2020; Wolff u.a. 2017). Entsprechend werden hier Schutzkonzepte nicht als wenig kontextualisierte, organisationale Einzelmaßnahmen, „die als isolierte Instrumente relativ einfach implementiert werden können“ (Rusack u.a. 2019: 11), verstanden. Vielmehr stellen sie eine transparente Orientierung sowie verbindliche Verpflichtung dar, in Strukturen, Prozessen, Beziehungsgestaltung und grundständiger Haltung kontinuierliche, partizipative, organisationale Lernprozesse sicherzustellen, was auch stetig zu überprüfen ist (vgl. ebd.). Vor dem Hintergrund erster Erkenntnisse eines aktuellen Forschungsprojekts zur Sichtweise von jungen Menschen auf ihre Partizipation im Heim (vgl. Eberitzsch u.a. 2020) sowie mit Bezug auf Literaturreviews und biografischen Studien mit Menschen mit Heimerfahrung (vgl. Bombach u.a. 2017; 2018), wird in diesem Beitrag danach gefragt, welche Ansätze und Widersprüche in Bezug auf partizipative Ansätze in Schutzkonzepten sichtbar werden. Dabei interessiert insbesondere, welche Chancen und Herausforderungen mit diesen Ansätzen aus Sicht der jungen Menschen verbunden sein können.
Further description: Im ISA-Jahrbuch 2020 „Kinderschutz? Lebenswelten gestalten – Gefahren abwehren“ wird eine fachpolitische, facettenreiche Diskussion aufgegriffen, die Expert*innen in vielfältigen Arbeitsfeldern auf kommunaler, Landes- und Bundesebene betrifft. Auf der einen Seite besteht ein großer Handlungsbedarf, um Rahmungen und infrastrukturelle Bedingungen für ein gelingendes Aufwachsen für alle zu gestalten. So zeigen z. B. die Folgen der Armutsentwicklung bei Kindern und Jugendlichen, wie groß die kompensatorischen Herausforderungen in Erziehung und Bildung sind. Auf der anderen Seite braucht es verlässliche Kriseninterventionen und passgenaue Hilfen, um Kinder zu schützen und zu unterstützen. Wie fließend müssen die Übergänge zwischen der Gestaltung einer sozialen Infrastruktur hin zu intensiveren, einzelfallbezogenen Hilfen für Kinder, Jugendliche und Familien sein? Ist dann alles Kinderschutz oder braucht es genauere Definitionen und Abgrenzungen, damit Kinder zuverlässig vor Gefahren für ihr Wohl geschützt werden können? Mit diesen Fragestellungen befassen sich die Autor*innen, um zu einer Klärung und Weiterentwicklung der fachlichen Ausrichtungen beizutragen, die Kinder und Jugendliche stärken und sie in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen.
URI: https://digitalcollection.zhaw.ch/handle/11475/20997
Fulltext version: Published version
License (according to publishing contract): Licence according to publishing contract
Departement: Social Work
Organisational Unit: Institute of Childhood, Youth and Family (IKJF)
Published as part of the ZHAW project: „Wie wir das sehen“ Die Sichtweise fremdplatzierter Kinder als Ausgangspunkt für Qualitätsentwicklung
Appears in collections:Publikationen Soziale Arbeit

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