Please use this identifier to cite or link to this item: https://doi.org/10.21256/zhaw-3650
Title: Evaluation Familystart Zürich : Abschlussbericht
Authors : Grylka, Susanne
Hollenstein, Eva
Angerer, Alfred
Erdin Springer, Rebekka
Pehlke-Milde, Jessica
Extent : 79
Publisher / Ed. Institution : Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Publisher / Ed. Institution: Winterthur
Issue Date: 14-May-2018
License (according to publishing contract) : Licence according to publishing contract
Language : German
Subject (DDC) : 618: Gynecology, obstetrics and midwifery
Abstract: Hintergrund: Mit der Einführung der DRGs erhöhte sich der Druck auf die Spitäler, Frauen nach der Geburt früher nach Hause zu entlassen. Forschungsergebnisse zeigen, dass Frühentlassungen zu vergleichbar guten Outcomes für Mutter und Kind führen wie längere Spitalaufenthalte, wenn die Wochenbettversorgung zu Hause durch Gesundheitsfachpersonen gut organisiert und gewährleistet ist. Frei praktizierende Hebammen und Pflegefachfrauen leisten einen wichtigen Beitrag zur medizinischen Grundversorgung von Mutter und Kind. Familystart Zürich ist ein gemeinnütziger Verein, der seit Frühjahr 2015 die Vermittlung der Wochenbettbetreuung im Kanton Zürich durch Hebammen und Pflegefachfrauen übernimmt, wenn die Familien die Betreuung nicht selber organisieren können oder möchten oder keine Hebamme finden. Der Verein verspricht eine Versorgungsgarantie für alle Familien, die in den Vertragsspitälern ihr Kind bekommen, insbesondere auch für psychosozial belastete Familien, für welche die selbstständige Organisation der Betreuung aus sprachlichen Gründen oder fehlenden Systemkenntnissen erschwert ist. Ziele: Die Evaluation von Familystart Zürich setzte sich zum Ziel zu untersuchen, inwieweit die Ansprüche, die an den Verein gestellt werden, erfüllt sind und welche Entwicklungspotentiale bestehen. Es wurden folgende Aspekte evaluiert: 1) die Gewährleistung der Versorgungsgarantie, 2) der ökonomische Mehrwert durch Familystart Zürich, 3) soziodemographische und geburtshilfliche Unterschiede zwischen den Familystart-Nutzerinnen und Zürcher Frauen mit ihren Neugeborenen, die selber eine Hebamme suchten, 4) die Zufriedenheit der Familystart-Nutzerinnen mit den Dienstleistungen des Vereins und mit der Hebammenbetreuung, 5) die Betreuung der von Familystart Zürich vermittelten Frauen und ihren Neugeborenen und 6) die Zufriedenheit der frei praktizierenden Hebammen und Pflegefachfrauen mit den Dienstleistungen von Familystart Zürich und mit ihrer Mitgliedschaft im Verein. Methode: Das Gesamtprojekt wurde in vier Module unterteilt, die sich an den oben aufgeführten Zielen orientierten. Es wurden quantitative und qualitative Methoden angewendet. Für die quantitativen Auswertungen standen die Anmeldedaten von Familystart Zürich und ein Teildatensatz der Tätigkeitserfassung der frei praktizierenden Hebammen des Schweizerischen Hebammenverbandes zur Verfügung. Zudem wurden quantitative Daten der Vertragsspitäler ausgewertet. Des weiteren wurden Einzelinterviews mit Gesundheitsfachpersonen und Klinikleitungen der Vertragsspitäler, Telefoninterviews mit den Nutzerinnen von Familystart Zürich und ein Fokusgruppeninterview mit Hebammen und Pflegefachfrauen von Familystart Zürich durchgeführt und inhaltsanalytisch ausgewertet. Ergebnisse: Familystart Zürich vermittelte 2016 insgesamt n=3‘108 Familien mit einem Neugeborenen eine Hebamme oder eine Pflegefachfrau. Die Familystart-Nutzerinnen bekamen zu über 90% ihr Kind in einem der Vertragsspitäler und wohnten grösstenteils im Kanton Zürich. Mehr als die Hälfte der von Familystart Zürich vermittelten Frauen (58.1%) waren in der Stadt Zürich wohnhaft, insbesondere in Zürich Nord. Die Vermittlungsgarantie war für Frauen, die in einem der Vertragsspitäler geboren hatten, gewährleistet. Die gesundheitsökonomische Beurteilung zeigte einen substantiellen Mehrwert für die Spitäler in folgenden Bereichen: „Zeitersparnis“, „Zufriedenheit“ des Pflegepersonals und der Klientinnen, „Transparenz und Standardisierung“, „Stressreduktion“, „Ökonomische Parameter“ sowie „Vernetzung und Kooperation“. Im Bereich „Zeitersparnis“ wurde ein um 85% reduzierter Aufwand des Vermittlungsprozesses bei schwierigen Fällen festgestellt. Die Familystart-Nutzerinnen unterschieden sich signifikant von Zürcher Frauen, die selber eine Hebamme suchten. Sie waren signifikant häufiger ausländische Staatsangehörige (68.4% vs. 41.3%, p<0.001) und kamen vor allem häufiger aus Süd- und Osteuropa sowie Afrika und Asien. Zudem hatten die Familystart-Nutzerinnen signifikant häufiger keine Berufsausbildung (25.7% vs. 9.3%, p<0.001), waren nicht berufstätig (37.6% vs. 24.5%, p<0.001), bekamen ihr Kind per Kaiserschnitt (42.4% vs. 34.2%, p<0.001) und zeigten auch häufiger weitere Risikofaktoren wie Armut, Frühgeburt, Mehrlinge oder Fehlbildungen beim Kind sowie die Kumulation von mehreren Risikofaktoren. Die Raten an Frauen mit ausländischen Nationalitäten, keiner Berufsausbildung oder Kaiserschnitten war zudem höher als diejenigen von Frauen im gebärfähigen Alter in Stadt und Kanton Zürich und diejenigen des grössten Vertragsspitals. Insgesamt waren die Frauen sehr zufrieden mit der Hebammenvermittlung und der Wochenbettbetreuung. Sie empfanden die Unterstützung durch Familystart Zürich in der Hebammensuche als grosse Entlastung. Der Anteil an Frauen mit Hausbesuchen in den ersten vier Tagen nach der Geburt und ab dem 29. postpartalen Tag war bei den Familystart-Nutzerinnen geringer, der Anteil an Frauen mit Besuchen zwischen dem 5. und 28. Tag jedoch höher als bei Zürcher Frauen, die ihre Hebamme selber suchten. Die Hebammen und Pflegefachfrauen fanden ebenfalls, dass sich die von Familystart Zürich vermittelten Frauen von anderen betreuten Frauen unterschieden und mehr psychosoziale Risikofaktoren aufwiesen. Die Vereinsmitglieder waren insgesamt sehr zufrieden mit den Dienstleistungen von Familystart Zürich und mit ihrer Arbeitssituation, und die kurzfristigen Vermittlungen der Familystart-Nutzerinnen halfen, Lücken mit geringem Arbeitsanfall zu füllen und Ressourcen besser zu nutzen. Die Hebammen und Pflegefachfrauen wünschten sich Unterstützung von Familystart Zürich im Schnittstellenmanagement mit den Spitälern und bei der Organisation von Dolmetschenden, die auch kulturell vermitteln können. Diskussion und Handlungsempfehlungen: Insgesamt werden die Angebote von Familystart Zürich sehr rege genutzt und sind sowohl für die Frauen, die von Familystart Zürich vermittelt wurden, als auch für die Hebammen und Pflegefachfrauen, die Spitäler sowie die Gesundheits- und Sozialdepartemente von Stadt und Kanton Zürich sehr interessant. Es zeigt sich ein deutlicher Mehrwert für die Familystart-Nutzerinnen und ihre Neugeborenen, die dadurch gut versorgt sind, aber auch für die Hebammen und Pflegefachfrauen, die dadurch gut ausgelastet sind. Zudem müssen die Spitäler weniger Zeit für die Hebammensuche aufwenden und die Sozialdienste von Stadt und Kanton Zürich haben die Gewissheit, dass vulnerable Familien erreicht werden und nicht durch das Versorgungsnetz fallen. Die neuen Arbeitsmodelle, die von Familystart Zürich gefördert werden und die erleichterten Vermittlungen über die neugestaltete App gehen in die richtige Richtung, damit die Versorgungsgarantie, insbesondere auch zu Ferienzeiten, gewährleistet und die Vermittlungszeiten von Frauen, für die sich die Suche nach einer Wochenbettbetreuung schwierig gestaltet, verkürzt werden können. Weitere Entwicklungen der letzten Monate, wie z.B. dass Anmeldebestätigungen an die Frauen verschickt werden, wurden von den Nutzerinnen sehr geschätzt und greifen frühere Kritikpunkte auf. Für die Nutzenquantifizierung wird den Spitäler nahegelegt, bestimmte Parameter in den Bereichen Prozesse und Effizienz, Patienten- und Mitarbeiterzufriedenheit und Versorgungsqualität systematisch zu erheben und zu analysieren. Ausserdem wird Familystart Zürich empfohlen, zusätzliche Netzwerkarbeit zu betreiben, indem zum Beispiel mit den Gemeinden und den Mütter- und Väterberate-rinnen Wege gesucht werden, dass die Hebammen und Pflegfachfrauen vom Kontingent der kulturvermittelnden Dolmetschenden profitieren könnten, bzw. dass dieses Kontingent dafür erhöht wird. Die Vereinsmitglieder von Familystart Zürich würden es zudem sehr schätzen, wenn Familystart Zürich die Funktion einer Ombudsstelle übernehmen könnte für Rückmeldungen an die Spitäler, wenn Wöchnerinnen aus Sicht der betreuenden Hebammen zu früh entlassen wurden. Obwohl die meisten Nutzerzinnen mit der Hebammenbetreuung sehr zufrieden waren, gab es einige Kritikpunkte, die zeigen, dass sich Familystart Zürich für die Weiterqualifizierung der Vereinsmitglieder einsetzen könnte. Das Veranstalten von Weiterbildungen, Fallbesprechungen und das Bilden eines Qualitätszirkels könnten dafür geeignete Massnahmen sein. Familystart Zürich wird empfohlen, den eingeschlagenen, innovativen Weg weiterzugehen und die neuen Entwicklungen auch zukünftig zu evaluieren.
Departement: Gesundheit
Organisational Unit: Institute of Midwifery (IHB)
Publication type: Working Paper – Expertise – Study
DOI : 10.21256/zhaw-3650
URI: https://digitalcollection.zhaw.ch/handle/11475/5860
Published as part of the ZHAW project : Evaluation Familystart Zürich
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