Publication type: Working paper – expertise – study
Title: Ausgewählte Ergebnisse des Covid-19 Social Monitors : Lebensqualität, psychische Befindlichkeit und Adhärenz an Schutzmassnahmen im Verlauf der Corona-Pandemie von März 2020 bis Juni 2021
Authors: Heiniger, Sarah
Meier, Flurina
Moser, André
Schmelzer, Sarah
Höglinger, Marc
et. al: No
Extent: 61
Issue Date: 2021
Publisher / Ed. Institution: ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Publisher / Ed. Institution: Winterthur
Language: German
Subject (DDC): 150: Psychology
614: Public health and prevention of disease
Abstract: Seit März 2020 stellt die Covid19‐Pandemie die Schweizer Bevölkerung laufend vor grosse gesellschaftliche Herausforderungen. Mit dem Projekt Covid‐19 Social Monitor steht seit Ende März 2020 ein kontinuierliches Monitoring der sozialen und gesundheitlichen Veränderungen in der Bevölkerung zur Verfügung. Aktuelle Ergebnisse des Monitorings werden jeweils wenige Tage nach der Erhebung auf der Webseite https://covid19.ctu.unibe.ch präsentiert, und diverse Indikatoren können über die Zeit und nach Subgruppen betrachtet werden. Der vorliegende Bericht steht ergänzend zu den Resultaten auf der Webseite und gibt einen Überblick über die Veränderungen im Lauf der Pandemie zwischen März 2020 und Juni 2021. Der Fokus liegt dabei auf dem allgemeinen Wohlbefinden, der psychischen Befindlichkeit und dem Einsamkeitsempfinden. Zudem wird die Adhärenz der Bevölkerung an Schutzmassnahmen zur Eindämmung der Pandemie betrachtet. Methode Datengrundlage bilden die Erhebungswellen 1 bis 17 des Covid‐19 Social Monitors (März 2020 bis Juni 2021). Studienpopulation ist die Schweizer Wohnbevölkerung zwischen 18 und 79 Jahren mit Online‐Zugang. Die Daten wurden gewichtet, und die Analysen sind damit hinsichtlich Alter, Geschlecht, Sprachregion, Kanton und Bildungsabschluss repräsentativ für die Schweizer Bevölkerung. Da es sich um eine Online‐Befragung handelt, dürften online‐affine Personen tendenziell übervertreten sein. Dies dürfte insbesondere bei älteren Personen zu einer gewissen Selektivität der Befragten führen. Ergebnisse Die Dynamik der Pandemie mit Phasen erhöhter Infektionsraten und damit einhergehenden verstärkten Massnahmen (etwa die «Lockdowns») widerspiegelt sich teilweise im Verlauf des Wohlbefindens, der psychischen Befindlichkeit und des Einsamkeitsgefühls der Bevölkerung. Das allgemeine Wohlbefinden verschlechterte sich leicht während dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020, in der Phase der Massnahmenverschärfung im Herbst 2020 und im zweiten Lockdown am Jahresanfang 2021, während sich die Werte im Sommer 2020 zwischenzeitlich erholten. Die psychische Befindlichkeit verschlechterte sich im Herbst 2020 und blieb dann konstant auf einem, im Vergleich zum Frühjahr/Sommer 2020, leicht schlechteren Niveau. Einsamkeitsgefühle waren ebenfalls häufiger während den Lockdowns und in Phasen der Massnahmenverschärfung. Die Ergebnisse unterscheiden sich deutlich nach Bevölkerungsgruppen. Junge Erwachsene fallen durch generell hohe Werte bei der psychischen Belastung und bei der Einsamkeit auf. Auch für die gängigen Ungleichheitsfaktoren Bildung und Einkommen zeigen sich deutliche Unterschiede. Personen mit niedrigem Bildungsniveau weisen während der Pandemie – wie auch sonst – eine tiefere Lebensqualität und eine höhere psychische Belastung auf. Bei Personen mit einem tiefen Einkommen zeigen sich für das allgemeine Wohlbefinden, die psychische Befindlichkeit und die Einsamkeit schlechtere Werte als in den übrigen Einkommensgruppen. Im Verlauf der Pandemie zeigen sich bei den einzelnen Subgruppen auf den unterschiedlichen Niveaus aber sehr ähnliche Verlaufsmuster. Das heisst, dass die Pandemie die verschiedenen Bevölkerungsgruppen in einem ähnlichen Mass beeinträchtigt zu haben scheint. Allerdings dürfte sich eine Verschlechterung bei einem tieferen Ausgangsniveau häufiger gravierend auswirken. Hinsichtlich der Adhärenz an Schutzmassnahmen zeigt sich, dass sich die Bevölkerung über die gesamte Phase der Pandemie hinweg grösstenteils konsequent an die jeweils empfohlenen bzw. verordneten Schutzmassnahmen und Verhaltensregeln hielt. Die meisten Massnahmen wurden im ersten Lockdown konsequenter umgesetzt als im zweiten Lockdown, und ab Frühling 2021 zeigt sich eine zunehmende «Normalisierung» der Mobilität und der sozialen Aktivitäten. Jüngere haben es mit dem Abstandhalten etwas weniger genau genommen, waren auch etwas mobiler und sozial aktiver als die Älteren. Sonst zeigen sich kaum Unterschiede zwischen Subgruppen der Bevölkerung. Einzig für das Arbeiten im Homeoffice zeigt sich – wenig erstaunlich – ein klarer Bildungs‐ und Einkommensgradient: Personen aus einkommensstärkeren Haushalten und solche mit höherem Bildungsniveau arbeiteten deutlich wahrscheinlicher ganz oder teilweise im Homeoffice. Dies zeigt, dass die Adhärenz an Massnahmen nicht nur von den eigenen Präferenzen und Einstellungen, sondern auch von den individuellen Möglichkeiten und Ressourcen sowie der Lebens‐ und Erwerbssituation beeinflusst ist. Konklusion Für die Gesamtbevölkerung lässt sich ein einigermassen positives Fazit ziehen: In den betrachteten Bereichen zeigten sich insgesamt keine so stark negativen Auswirkungen der Pandemie wie zu Beginn befürchtet. Die Lebensqualität und die psychische Befindlichkeit der breiten Bevölkerung wurden zwar beeinträchtigt, aber mehrheitlich nur in einem geringen Ausmass und nur kurzfristig. Die beobachteten Veränderungen dürften zudem teilweise auch auf andere Faktoren als die Pandemie zurückzuführen sein. Insbesondere bei der Abnahme des Wohlbefindens und der Zunahme der psychischen Belastung im Herbst/Winter 2020/21 dürfte es sich auch um saisonale Effekte handeln. Besonders vulnerable Gruppen, wie z.B. Personen mit bestehenden psychischen Problemen oder Kinder und Jugendliche in schwierigen Familiensituationen werden von unserer Studie allerdings nicht abgedeckt. Zudem gehen wir im vorliegenden Bericht auf die Auswirkungen der Pandemie im Zeitraum März 2020 bis Juni 2021 ein – die Pandemie ist aber noch nicht vorüber. Die Weiterführung des Covid‐19 Social Monitors bietet die Möglichkeit, die längerfristigen Auswirkungen der Pandemie und zentraler Aspekte des Verhaltens weiter zu untersuchen.
URI: https://www.bag.admin.ch/dam/bag/de/dokumente/mt/k-und-i/aktuelle-ausbrueche-pandemien/2019-nCoV/social-monitor-zwischenbericht2021.pdf
https://digitalcollection.zhaw.ch/handle/11475/23751
License (according to publishing contract): Licence according to publishing contract
Departement: School of Management and Law
Organisational Unit: Winterthur Institute of Health Economics (WIG)
Published as part of the ZHAW project: COVID-19 Social Monitor
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