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Publication type: Working paper – expertise – study
Title: Die Rolle muslimischer Betreuungspersonen und islamischer Gemeinschaften bei der Prävention islamistischer Radikalisierung unter besonderer Berücksichtigung der Aus- und Weiterbildung von Imamen in der Schweiz
Authors: Eser Davolio, Miryam
Adili, Kushtrim
Rether, Ayesha
Brüesch, Nina
et. al: No
DOI: 10.21256/zhaw-23250
Extent: 90
Issue Date: 18-Aug-2021
Publisher / Ed. Institution: ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Publisher / Ed. Institution: Zürich
Language: German
Subjects: Weiterbildung; Radikalisierung; Imam; Muslimische Betreuungsperson; Prävention
Subject (DDC): 200: Religion
303: Social processes
Abstract: Im Auftrag des Bundesamts für Justiz und des Staatssekretariats für Migration führte das Forschungsteam der ZHAW unter Leitung von Miryam Eser Davolio die vorliegende Studie durch. Ausgangspunkt stellt das Postulat Ingold 16.3314 «Gemässigte Imame sind Schlüsselpersonen gegen die Radikalisierung von jugendlichen Muslimen» dar. Im Zentrum der vorliegenden Studie steht der Aus- und Weiterbildungsbedarf von Imamen und muslimischen Betreuungspersonen (BP) zur Verbesserung des Zusammenlebens und zur Radikalisierungsprävention. Die Studie gliedert sich in vier Teilprojekte zur Rolle der BP und islamischen Organisationen, zu den Hintergründen der Radikalisierung, zur Radikalisierung respektive Radikalisierungsprävention im Umfeld von Moscheen und islamischen Organisationen sowie zur konkreten Ausgestaltung von Aus- und Weiterbildung von BP, damit sie einen Beitrag zur Verbesserung des Zusammenlebens und zur Radikalisierungsprävention leisten können. Das methodische Vorgehen schliesst einerseits Desk Research und die Sekundäranalyse bestehender Studien sowie Länderstudien zu den Nachbarländern der Schweiz und andererseits Expert*inneninterviews (N=30) und Interviews mit BP (N=25) mit inhaltsanalytischer Auswertung ein. Die Ergebnisse zeigen, dass die BP vielfältige anspruchsvolle Rollen mit beschränkten Ressourcen abdecken, und dass auf ihnen hohe Erwartungen der Mehrheitsgesellschaft bei gleichzeitig hohen Binnenerwartungen der muslimischen Gemeinschaft lasten. Ebenso zeigt sich, dass sie mit dem Phänomen Radikalisierung selten direkt in Berührung kommen und auch nicht über eine Autoritätsposition innerhalb ihrer Moscheevereine verfügen. Gleichzeitig können BP für die Prävention und Früherkennung mit ihrer Fachlichkeit über Information und Aufklärung gegen extremistische Inhalte oder Hinwendungsprozesse wirken. Der Forschungsstand zeigt bezüglich der Analyse der Ursachen von Radikalisierung, dass diese in erster Linie mit einer einseitigen Interpretation des Islams und Distanzierung von der Gesellschaft zusammenhängt, für welche religiös wenig gebildete und destabilisierte, problembelastete Individuen oder auch Konvertit*innen eher anfällig sind. Aufgrund der Einschätzungen der Sicherheitsorgane spielen BP im Zusammenhang mit dem Radikalisierungsphänomen eine untergeordnete Rolle in der Schweiz und auch Moscheen stellen keine Horte der Radikalisierung dar. Radikalisierungsförderliche Kontaktaufnahmen erfolgen meist durch Gleichaltrige an beliebigen Orten (Kampfsportzentrum, Café etc.). Zwar frequentieren auch radikalisierte Personen Freitagspredigten in Moscheen, doch lehnen sie Imame bzw. BP meist als «zu verwestlicht» ab und stellen ihre Autorität in Frage. Demnach verfügen BP über beschränkte Einflussmöglichkeiten auf Radikalisierungsprozesse, weil sie mehrheitlich ausserhalb ihres Wirkungsfelds stattfinden, doch können sie eine wichtige präventive Rolle spielen, indem sie Muslim*innen bei der sozialen Integration unterstützen sowie als Ansprechpartner*innen für Behörden eine vermittelnde Brückenfunktion wahrnehmen. Wenn nun Aus- und Weiterbildung die Radikalisierungsprävention stärken sollen, dann können sie diese integrative Funktion und die institutionelle Einbindung weiter vorantreiben, indem die BP in ihrem Wissen über Radikalisierungsprozesse, ihren professionellen Handlungskompetenzen und ihrer zivilgesellschaftlichen Vernetzung gefördert werden. Dadurch könnten sie destabilisierte, problembelastete Individuen als mögliche Risikofälle erkennen sowie sie in ihrer Problembearbeitung und sozialen Integration unterstützen. Muslimische Seelsorgende können insbesondere im Strafvollzug eine wichtige Präventionsfunktion wahrnehmen (auch wenn sie von radikalisierten Häftlingen meist abgelehnt werden), indem sie sowohl im Austausch mit muslimischen Insassen als auch mit dem Gefängnispersonal stehen und so klärend und vermittelnd wirken. Auch der Einbezug von BP in weitere öffentliche Institutionen, wie etwa in Krankenhäusern, im Asyl- oder im Bildungsbereich ebenso wie in der Armee würde deren Rolle stärken und sie für die Radikalisierungsprävention nutzbar machen. Die entlohnte Tätigkeit in öffentlichen Institutionen würde Anreize für die Teilnahme an Weiterbildungen schaffen und so zu einer stärkeren Professionalisierung der BP beitragen.
URI: https://digitalcollection.zhaw.ch/handle/11475/23250
License (according to publishing contract): Licence according to publishing contract
Departement: Social Work
Organisational Unit: Institute of Diversity and Social Integration (IVGT)
Published as part of the ZHAW project: Rolle islamischer Betreuungspersonen und muslimischer Gemeinschaften bei der Prävention islamistischer Radikalisierung
Appears in collections:Publikationen Soziale Arbeit

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