Publikationstyp: Konferenz: Sonstiges
Art der Begutachtung: Keine Angabe
Titel: So implizit wie möglich, so explizit wie nötig : gebrauchsbasierte Perspektiven auf Zweitspracherwerbsprozesse und Vermittlungsoptionen
Autor/-in: Madlener-Charpentier, Karin
et. al: No
Angaben zur Konferenz: Tagung Sprachliches Wissen: Implizites und explizites sprachliches Wissen – interdisziplinäre Perspektiven, Leibniz-Universität Hannover, 21.-22. Februar 2020
Erscheinungsdatum: 21-Feb-2020
Sprache: Deutsch
Schlagwörter: Zweitspracherwerb; Zweitsprachvermittlung; Implizites/explizites Wissen/Lernen/Lehren
Fachgebiet (DDC): 404.2: Zwei- und Mehrsprachigkeit
418.0071: Sprachdidaktik
Zusammenfassung: Gebrauchsbasierte Ansätze der (Zweit-)Spracherwerbsforschung gehen davon aus, dass Spracherwerb weitgehend implizit (unterbewusst) und inzidentell (beiläufig) erfolgt, durch die Verarbeitung reichhaltigen bedeutungsvollen Inputs in sozial kontextualisierter Interaktion (Behrens 2009). Häufige, kommunikativ relevante Sequenzen schleifen sich ein (sog. entrenchment), auf Basis systematischer Wiederholung und Variation (im Input und in bereits gespeicherten Sequenzen) werden nach und nach Muster und Generalisierungen für Form-Bedeutung-Zuordnungen abstrahiert (sog. Schemabildung, Langacker 2000), die als Regelhaftigkeiten unterschiedlicher Reichweite und Korngrösse verstanden werden können (Goldberg 2009). Interaktionale Prozesse wie Nachfragen, Modifikationen, Elaborationen und Feedback können zum Erwerb beitragen, indem sie die Aufmerksamkeit der Lernenden auf Lücken, Kontraste und alternative Ausdrucksmöglichkeiten lenken, die im Kontext der bedeutungsvollen Inhaltsaushandlung inzidentelle Sprachlerngelegenheiten bieten (Clark 2009; Mackey 2012). Eine essenzielle Rolle für implizites Lernen aus dem Input kann für den Zweitspracherwerb als Konsens angenommen werden (vgl. Gass 1997). Eine (zusätzliche) Rolle für intentionales Lernen und explizite Instruktion (Benennungsangebote, Erklärungen etc.) wird dabei nicht ausgeschlossen, gerade weil in Zweitspracherwerbskontexten typischerweise der Zugang zu reichhaltigem Input und zu Interaktionskontexten beschränkt ist, die Inputverarbeitung zudem von erstsprachlichen Aufmerksamkeitsroutinen geprägt (sog. learned attention, Ellis 2006; thinking for speaking, Slobin 1996), was auch die Verarbeitung und damit den Erwerb von häufigen, aber wenig salienten/transparenten zweitsprachlichen Form-Bedeutung-Zuordnungen (z.B. Artikeln) erschweren kann; explizite Instruktion darf aber weder den grundlegenden Bedeutungsfokus aushebeln noch zum Selbstzweck werden, sondern muss punktuell und bedarfsorientiert erfolgen und sich grundsätzlich auf Form-Bedeutung-Zuordnungen beziehen, nicht auf rein formale Paradigmen (Long & Robinson 2008; R. Ellis 2016). Im Sinne des weak interface (N. Ellis 2007, 2008) kann davon ausgegangen werden, dass bewusstes Lernen von Regelhaftigkeiten und explizites Wissen über Sprache indirekt in die Ausbildung sprachlicher Kompetenzen im Sinne des Könnens einfliessen, und zwar über ihre Funktionen für Noticing, Noticing the gap und Output Practice. Eine zentrale Rolle spielen hier sog. language related episodes (Swain & Lapkin 2001), in denen Lernende (und ggf. Lehrende) Regelhaftigkeiten in Bezug auf Bedeutungen und Formen in Frage stellen, aushandeln und reflektieren. Der Vortrag illustriert zentrale theoretische Annahmen durch aktuelle empirische Befunde zur Wirkung und Wirksamkeit verschiedener input-, output- und feedbackbasierter, mehr oder weniger stark aufmerksamkeitslenkender bzw. bewusstmachender Vermittlungstechniken im Rahmen einer (gebrauchsbasierten) didaktischen Formfokussierung (Madlener-Charpentier & Behrens angenommen). Dabei wird einerseits reflektiert, wie beschränkter Input maximiert und optimiert werden kann (Verspoor & Nguyen 2015; Madlener 2015; Pagonis in Vorb.) und unter welchen Bedingungen Recasts als implizite Feedbackformen (Goo & Mackey 2013), aber auch bewusstmachende Aufgaben wie das Dictogloss (Eckerth 2008), für die (zielgruppendifferenzierte) Vermittlung spezifischer Lerngegenstände eingesetzt werden können. Andererseits werden methodologische Aspekte berücksichtigt (Wie lässt sich Implizitheit/Explizitheit in Bezug auf Lernprozesse und Wissensbestände operationalisieren? Welche Indikatoren für Aufmerksamkeit finden sich in Lernerdaten [Schumacher et al. angenommen]?) sowie potenzielle Implikationen für die Bandbreite didaktischer Optionen eines erwerbsfördernden Deutschunterrichts im sprachlich heterogenen Grundschulklassenzimmer skizziert.
URI: https://digitalcollection.zhaw.ch/handle/11475/21230
Volltext Version: Publizierte Version
Lizenz (gemäss Verlagsvertrag): Lizenz gemäss Verlagsvertrag
Departement: Angewandte Linguistik
Organisationseinheit: Institute of Language Competence (ILC)
Enthalten in den Sammlungen:Publikationen Angewandte Linguistik

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