Publication type: Conference other
Type of review: Not specified
Title: Die Folgen energetischer Sanierungen für vulnerable Gruppen
Authors : Muri Koller, Gabriela
et. al : No
Conference details: Grenchner Wohntage, Bundesamt für Wohnungswesen, Grenchen, 7. November 2019
Issue Date: 7-Nov-2019
Language : German
Subject (DDC) : 362: Health and social services
Abstract: In der Schweiz machen die Haushalte einen signifikanten Anteil des Energieverbrauchs aus. Gründe für die hohen Energiekosten der Haushalte können der jeweilige Lebensstil der Betroffenen, eine energieineffiziente Ausstattung oder der energetische Gebäudezustand der Wohnräume sein. Diverse Massnahmen der Energiestrategie 2050 zielen in der Folge auf die Verbesserung der Energieeffizienz der Haushalte und des Gebäudesektors ab. Dabei kommen Fördermittel und Steuerentlastungen vor allem Hauseigentümer*innen zugute, während Mieter*innen nach einer Sanierung oft mit erhöhten Mietzinskosten rechnen müssen. Für armutsbetroffene oder armutsgefährdete Haushalte können ein energetisch ineffizienter Wohnraum und eine energieineffiziente Ausstattung zur Armutsfalle werden. Erhöhte Mietzinskosten infolge energetischer Sanierungen übersteigen oft das knappe Budget von vulnerablen Gruppen und können zum Wohnungsverlust führen. Während im Ausland die sozialen Konsequenzen der Energiewende an Bedeutung gewinnen, stehen in der Schweiz die Auswirkungen energiepolitischer Massnahmen für Haushalte mit tiefen Einkommen kaum im Fokus politischer oder gesellschaftlicher Diskussionen. In einer vom Bundesamt für Wohnungswesen BWO finanzierten und am Institut für Vielfalt und gesellschaftlichen Teilhabe der ZHAW durchgeführten qualitativen Studie zu den Themen Energiearmut und den Folgen energetischer Sanierungen wird ersichtlich, wie Armutsbetroffene oder -gefährdete häufig in sanierungsbedürftigen Wohnungen wohnen. Damit sind sie vermehrt von Wohnungswechseln oder ungenügenden Infrastrukturen sowie nicht beeinflussbaren Energiekosten und deren finanziellen Folgen betroffen. Die von Sanierungen betroffenen Haushalte müssen oft eine neue Wohnung suchen und können kaum bis gar nicht von den aufgrund von energetischen Sanierungen zu erwartenden gesunkenen Energiekosten profitieren. Können oder wollen sie einen Wohnungswechsel nicht in Kauf nehmen, sparen sie zur Begleichung hoher Energiekosten oder zum Ausgleich von erhöhten Mietzinskosten bei den Grundbedürfnissen wie beispielsweise beim Essen, den Kleiderausgaben oder im Bereich der Freizeit und Mobilität. Wie in ähnlichen ausländischen Studien (vgl. z.B. die NELA-Studie in Österreich) nachgewiesen werden konnte, entwickeln vulnerable Gruppen zur Einsparung von Energiekosten selektive Heiz- und Beleuchtungspraxen, indem sie beispielsweise einzelne Räume das ganze Jahr über nicht beheizen oder das Geschirr nur kalt spülen. Problematisch ist, dass armutsgefährdete oder -betroffene Haushalte aufgrund des tiefen Einkommens nur über beschränkte Handlungsmöglichkeiten verfügen, um ihre Energiekosten effektiv zu reduzieren. Exklusionsmechanismen, denen vulnerable Gruppen ausgesetzt sind, resultieren mitunter aus einem ungeklärten Zuständigkeitsbewusstsein zwischen involvierten Institutionen und Politikfeldern. Eine sektorenübergreifende Politik ist hier das einzige Mittel, eine sozial gerechtere Energiewende zu erreichen. Dies zeigen die Literaturauswertung sowie die empirischen Ergebnisse.
URI: https://www.bwo.admin.ch/dam/bwo/de/dokumente/06_Das_BWO/67_Grenchner_Wohntage/2019/Praesentationen/08_Muri.pdf.download.pdf/08 Präsentation Muri Koller.pdf
https://digitalcollection.zhaw.ch/handle/11475/19218
Fulltext version : Published version
License (according to publishing contract) : Licence according to publishing contract
Departement: Social Work
Organisational Unit: Institute of Childhood, Youth and Family (IKJF)
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