Title: Verbundlösungen für Pflege und Betreuung im Altersbereich : eine Studie von der Age Stiftung und Curaviva Schweiz in Kooperation mit dem Spitex Verband Schweiz durchgeführt vom Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie
Authors : Imhof, Daniel
De Boni, Sylvia Nadine
Auerbach, Holger
et. al : No
Extent : 74
Publisher / Ed. Institution : Age Stiftung
Publisher / Ed. Institution: Winterthur
Issue Date: 2010
License (according to publishing contract) : Licence according to publishing contract
Language : German
Subject (DDC) : 362: Health and social services
Abstract: Ausgangslage: Im Gesundheitswesen ist ein Trend hin zur integrierten Versorgung zu erkennen. Integrierte Versorgung bedeutet die organisierte Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure auf struktureller und prozessualer Ebene. Auch in der Pflege und Betreuung im Altersbereich lässt sich dieser Trend ausmachen. Es sind jedoch noch keine Informationen über die Anzahl und Art der Zusammenarbeitsformen, in dieser Studie Verbundlösungen genannt, in der Schweiz systematisch gesammelt und aufbereitet worden. Diese Studie soll Aufschluss über Quantität und Qualität von Verbundlösungen im Bereich Pflege und Betreuung im Altersbereich in der Deutschschweiz geben. Vorgehensweise und Methodik: In einer ersten Phase wurden Erkenntnisse über Verbundlösungen in Theorie (wissenschaftliche Untersuchungen) und Praxis (Berichte von Praxisbeispielen) gesammelt und zusammengefasst. Daraus abgeleitet konnte der Begriff Verbundlösung in einer Arbeitsdefinition festgelegt werden: institutionsübergreifende Zusammenarbeit, für die Leistungserbringung gegenüber Patienten/Klienten/ Bewohnern, in Pflege, Betreuung und/oder Hauswirtschaft im Altersbereich. In einer zweiten Phase wurde in Zusammenarbeit mit Fachexperten ein Kriterienkatalog entwickelt, bestehend aus 26 Kriterien/Variablen mit den möglichen Ausprägungen für Verbundlösungen. Daraus wurde ein Fragebogen abgeleitet, der in elektronischer Form an ca. 1'000 Alters- und Pflegeheime (Mitglieder Curaviva) und an ca. 500 Spitex-Organisationen in der Deutschschweiz versandt wurde. Die teilnehmenden Organisationen mussten jeweils ihren Organisationstyp angeben (Spitex, Heim, Zentren - Zentren sind Organisationen, die sowohl Spitex und Heim unter einem Dach vereinen). Die Organisationen konnten an der Umfrage teilnehmen unabhängig davon, ob sie an einer Verbundlösung beteiligt sind oder nicht. Die Antworten wurden statistisch ausgewertet und entsprechend interpretiert. Resultate: Der Begriff Verbundlösung, welcher vom Projektteam in einer Arbeitsversion zur Bearbeitung der Fragestellungen verwendet wurde, ist in der gängigen Praxis kaum in Verwendung. Aus den Praxisbeispielen konnte erfasst werden, dass die Begriffe Vernetzung, Netzwerk, Versorgungsnetze und Koordination häufig für die mit Verbundlösung bezeichnete Sache verwendet werden. Aus der Befragung fallen besonders die Begriffe Zusammenarbeit und Kooperation als gebräuchlich auf. Die mit diesen Begriffen bezeichnete Sache weist eine grosse Heterogenität hinsichtlich beteiligter Kooperationspartner, gemeinsam erbrachter Leistungen, Zusammenarbeitsform und -intensität auf. Bei der elektronischen Befragung haben von insgesamt 1'654 angeschriebenen Organisationen 471 Organisationen teilgenommen. 201 Organisationen haben mindestens eine Verbundlösung eingetragen. Insgesamt wurden 230 Verbundlösungen registriert. Die Resultate wurden jeweils für die einzelnen Organisationstypen (Heim, Spitex, Zentrum) getrennt dargestellt. Bei der Typologisierung der Organisationen, die zur Teilnahme an einer Verbundlösung neigen, ist folgendes aufgefallen: Es sind tendenziell die grösseren Organisationen, die sich zu einer Verbundlösung zusammenschliessen. Anders als erwartet schliessen sich die (meist eher betriebswirtschaftlich-orientierten) privatrechtlich gewinnorientierten Organisationen eher seltener zu Verbundlösungen zusammen als gemeinnützige Organisationen. Zentren und Spitex-Organisationen schliessen sich häufiger in Verbundlösungen zusammen als Heime. Kooperationspartner von Spitex-Organisationen sind häufig andere Spitex-Organisationen (Tendenz zur horizontalen Integration) oder Heime. Dasselbe lässt sich bei den Heimen feststellen, sie kooperieren häufig mit ihresgleichen oder mit Spitex-Organisationen. Als weitere, wichtige Kooperationspartner treten bei allen drei Organisationen Freiwillige/Angehörige sowie Anbieter von Mittagstischen/Mahlzeitendiensten auf. In der Deutschschweiz sind Verbundlösungen meistens bilaterale Kooperationen. Verbundlösungen in denen mehr als zwei Partner zusammenarbeiten sind seltener. Sehr viele der erfassten Verbundlösungen haben ein beschränktes Leistungsangebot. Sehr oft wird nur eine bestimmte Leistung im Rahmen der Zusammenarbeit erbracht. Die wichtigsten Leistungen, die in den Verbundlösungen gemeinsam erbracht werden, sind bei Spitex-Organisationen, Heimen und Zentren: Grund- und Behandlungspflege angeboten. Hauspflege/Haushilfe sowie Übergangspflege/Kurzzeitpflege/Ferienpflege. Als Spezialisierung gehören Betreuung von Menschen mit Demenz und Palliative Care zu den am häufigsten angebotenen Dienstleistungen. Als Supportdienste werden vor allem Aus- und Weiterbildungen gemeinsam erbracht. Verbundlösungen charakterisieren sich gesamthaft als eine rein vertragliche Zusammenarbeitsform, in der Rechtsform einer einfachen Gesellschaft, eines Vereins oder einer Stiftung, welche keine durchgängigen Prozesse definiert hat, sondern die Schnittstellen individuell, punktuell und situativ definiert. Die gemeinsame interne und externe Kommunikation sowie die gemeinsam erbrachten Supportdienste sind bei Zentren stärker ausgeprägt als bei Heimen und Spitex-Organisationen. Heime und Spitex-Organisationen gestalten die Verbundlösungen auf einen eher informell. Die eingetragenen Verbundlösungen sind kaum vergleichbar in Bezug auf beteiligte Kooperationspartner, gemeinsam erbrachte Leistungen, Zusammenarbeitsform und -intensität. Es sind also keine klaren Muster im Sinne einer Clusterung in der Angebotsstruktur von Verbundlösungen erkennbar. Über die mengenmässige und geographische Verteilung der Verbundlösungen in der Deutschschweiz kann aufgrund der Beteiligungen der Organisationen keine eindeutige Aussage gemacht werden. Schlussfolgerungen und weiteres Vorgehen: Die Studie hat gezeigt, dass es in der Deutschschweiz bei Heimen und Spitex-Organisationen durchaus Bestrebungen zu Verbundlösungen gibt. Diese sind aber noch zaghaft, eher unstrukturiert und von kleinem Umfang. In den meisten Fällen wird eine Kooperation zwischen zwei Akteuren auf Vertragsbasis zur Erbringung einer gemeinsamen Dienstleistung eingegangen. Komplexe Verbundlösungen zwischen mehreren Leistungserbringern entlang der Behandlungspfade sind die Ausnahme. Es besteht ein hohes Potenzial zur Bildung und Förderung von Verbundlösungen. Insbesondere kleine, ländliche Heime haben einen grossen Nachholbedarf. Supportdienste, beispielsweise administrative Tätigkeiten oder die Nutzung von Infrastruktur, sollen aus betriebswirtschaftlicher Sicht vermehrt gemeinsam und institutionsübergreifenderbracht/genutzt werden. Die Schnittstellen zwischen den Organisationen sollen besser abgestimmt und koordiniert werden. Viele Verbundlösungen sind eher informell geregelt. Um die Nachhaltigkeit der Angebote zu gewährleisten, sollte die Zusammenarbeit im Bereich Betreuung und Pflege zunehmend in gefestigte rechtliche und organisatorische Strukturen überführt werden. Der Begriff Verbundlösung soll im Bereich Pflege und Betreuung einen festen Platz erhalten und im täglichen Gebrauch sowie in weiteren Studien in Anwendung kommen. Zudem sollte definiert werden, was gute Verbundlösungen sind und wie diese beschrieben werden können (gemäss der Theorie; Soll-Analyse); anschliessend sollte durch eine Ist-Analyse diese Theorie überprüft werden – damit Erfolgsfaktoren für Verbundlösungen erarbeitet werden können.
Departement: School of Management and Law
Organisational Unit: Winterthur Institute of Health Economics (WIG)
Publication type: Working paper – expertise – study
URI: https://digitalcollection.zhaw.ch/handle/11475/17525
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