Title: Ökologisches Ausgleichspotenzial von extensiven Dachbegrünungen : Bedeutung des Ersatz-Ökotops für den Arten- und Naturschutz und die Stadtentwicklungsplanung
Authors : Brenneisen, Stephan
Extent : 220
Publisher / Ed. Institution : Selbstverlag der Abteilung Physiogeographie der Universität Basel
Publisher / Ed. Institution: Basel
Issue Date: 2009
License (according to publishing contract) : Licence according to publishing contract
Series : Physiogeographica
Series volume: 41
Type of review: Not specified
Language : German
Subjects : Stadtökologie; Ökologische Bewertung; Stadtnatur; Dachbegrünung
Subject (DDC) : 577: Ecology
711: Area planning
Abstract: Für das Stadtgebiet von Basel konnte ein Anteil von Flachdachbauten an der Arealfläche von 10% ermittelt werden. In Gebieten mit typischen städtischen Baustrukturen, wie gründerzeitliche Blockrandbebauungen mit teilweiser gewerblicher Nutzung der Innenhöfe, sowie in den Industriegebieten, erreicht der Anteil der Flachdächer sogar 30%. In solchen Gebieten kann die Fläche. der Flachdachbauten die Grünflächen am Boden oft deutlich übersteigen. In diesen stark verbauten, als stadtökologische Ungunststandorte zu bezeichnenden Gebieten ist demnach ein bedeutendes Potenzial für einen ökologischen Ausgleich durch Dachbegrünungen vorhanden. Anhand eines stadtökologischen Bewertungsverfahrens konnte abgeschätzt werden, dass sich mit einer vollständigen Begrünung der Flachdächer der grösste Teil der stadtökologischen Ungunstgebiete (nach SCHULZ 1982) in den Wertbereich der Übergangsgebiete verschieben lässt. Ergänzend und um eine weiterführende Differenzierung vornehmen zu können, wurde zusätzlich zur quantitativen Bestimmung des Flächenpotenzials die Bedeutung begrünter Dächer als Lebensraum für die städtische Fauna auch quantitativ untersucht. In einem Zeitraum von drei Jahren wurden auf 15 begrünten Dächern in Basel sowie auf sieben in Luzern die Spinnen- und Käferzönosen erfasst. Dabei konnten total 78 Spinnen- bzw. 254 Käferarten erfasst werden, wobei 14 (18%) der Spinnenarten als „faunistisch interessant“ (nach POZZI et al. 1998) einzustufen waren bzw. 27 (11%) der Käferarten als gefährdete Rote Liste-Art. Das erstaunliche Ausmass der Funde seltener Arten ergab sich in erster Linie durch den grossen Untersuchungsumfang. Die bisher bekannten, meist kürzeren Untersuchungen zur Fauna von Dachbegrünungen wiesen lediglich Einzelfunde seltener Arten aus. Daneben dürfte die Auswahl spezifisch strukturreich eingerichteter Dachbegrünungen für die Untersuchung sowie der generelle Artenreichtum an xerothermen Arten im Naturraum Basels zum Ergebnis beigetragen haben. Auf der artenreichsten Begrünung Rhypark in Basel konnten 13 Käferarten aus Roten Listen sowie sechs faunistisch interessante Spinnenarten gefunden werden. Es zeigte sich hier, dass mit einer zielorientierten Begrünungseinrichtung auf Flachdächern ein ökologischer Ausgleich geschaffen werden könnte, der für den Arten- und Naturschutz lokal bis regional bedeutend wäre. Diese Erkenntnisse decken sich mit Befunden einer botanischen Untersuchung von älteren begrünten Flachdächern in Wollishofen bei Zürich von LANDOLT (2001). Dort wurden reichhaltige Orchideenbestände und weitere, im östlichen Schweizerischen Mittelland gefährdete und seltene Arten gefunden. Von LANDOLT wird daher eine kantonaler Schutz vorgeschlagen. Mit der Untersuchung eines breiten Spektrums verschiedener Ausprägungsformen von Extensiven Dachbegrünungen zeigte sich auch eine grosse Varianz bezüglich der Bedeutung für den Arten- und Naturschutz. Auf geringmächtigen ausnivellierte Substrataufträgen war in der Regel ein nur sehr spärlicher Bewuchs vorhanden, der verbunden war mit beschränkten Etablierungsmöglichkeiten für seltene Spinnen- und Käferarten. Eine begleitende Untersuchung der Ausführungspraxis ergab, dass der überwiegende Anteil der aktuell eingerichteten Dachbegrünungen leider sehr geringmächtig sind. Es muss deshalb davon ausgegangen werden, dass sich auf den meisten neu entstehenden Dachbegrünungen nur artenarme Biozönosen entwickeln dürften. Nach dem Schweizerischen „Natur- und Heimatschutzgesetz“ (NHG) Abschnitt 3 ist der Schutz der einheimischen Pflanzen- und Tierwelt innerhalb und ausserhalb von Siedlungen vorgeschrieben. Insbesondere wird im NHG der Schutz von gefährdeten Arten und ihren Lebensräumen festgelegt. Die Erkenntnisse zur Varianz der ökologischen und insbesondere aus der Sicht des Arten- und Naturschutzes differierenden Bedeutung von extensiven Dachbegrünungen lassen demnach für die Richtlinien-, Planungs- und Ausführungskontrollpraxis Handlungsvorgaben ableiten. Vorgabe für Extensive Dachbegrünungen müsste sein, die Flächen so einzurichten, damit sie sich längerfristig in einem Zustand halten können, in dem möglichst viele gefährdete Arten auf ihnen Ersatzlebensräume finden können. Mit der dreijährigen Untersuchung auf spezifisch eingerichteten Flächen konnten erste konkrete Hinweise zur Funktionalität der Einrichtung von kleinen Hügeln erarbeitet werden, als stets leicht feucht bleibende Rückzugsorte für die Bodenfauna während den Trockenperioden im Sommer. Im Vergleich zu ausnivellierten Standorten konnte eine signifikante Zunahme der Artenvielfalt ermittelt werden. Als methodischer Ansatz wurde in vorliegender Arbeit das «Karlsruher Modell» (HENZ 1998), welches zur Ermittlung von Eingriff und Ausgleich im Zuge von Bebauungsplanverfahren erarbeitet wurde, verwendet. Mit diesem Verfahren konnte das biotische Potenzial von Dachbegrünungen ansatzweise in Verbindung zu bodengebundenen Flächen gebracht werden. Dabei zeigte sich, dass artenreiche Dachbegrünungen, wie das Dach Rhypark, faunistische Bedeutung in der Grössenordnung von Brachflächen und Bahndämmen erreichen können. Solche Flächen sind in vielen Stadtgebieten Mitteleuropas heute Refugialstandorte seltener und schützenswerter xerothermer Arten. Für ökologische Stadtentwicklungskonzepte liess sich aus dem ermittelten ökologischen Ausgleichspotenzial von Extensiven Dachbegrünungen ableiten, dass Flachdächer konsequent und möglichst umfassend begrünt werden sollten. Unterstützende Förderprogramme und Massnahmen müssten dazu festgelegt werden. Insbesondere bei Überbauungsplanungen, bei denen arten- und naturschützerisch bedeutsame Habitate betroffen sind, wäre zwingend eine Begrünung vorzusehen, welche die Standortbedingungen der anliegenden Umgebung berücksichtigt. Für das Untersuchungsgebiet in Basel heisst dies konkret, dass bereits heute, und zwar vor der anstehenden Überbauung des artenreichen Gebietes des ehemaligen Güterbahnhofareals der Deutschen Bahn AG, versucht werden sollte, für möglichst viele von der Überbauung betroffenen Arten ideale Ersatzlebensräume durch Dachbegrünungen zu schaffen.
Departement: Life Sciences and Facility Management
Organisational Unit: Institute of Natural Resource Sciences (IUNR)
Publication type: Book
ISBN: 3-85977-262-7
URI: https://digitalcollection.zhaw.ch/handle/11475/11315
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